DIE 8 EBENEN
Die 8 Ebenen der Wohnpsychologie für Wohn- und Architekturpsychologie basieren auf einem einfachen, aber tiefgreifenden Gedanken:
Jeder Mensch hat grundlegende psychologische, soziale und körperliche Bedürfnisse – und diese spiegeln sich im Raum. Sie bestimmen mit, ob wir uns sicher, wohl, verbunden, inspiriert oder überfordert fühlen.
Die Ebenen sind das Ergebnis wissenschaftlicher Analysen und jahrzehntelanger Forschung zu den Wechselwirkungen zwischen Mensch und Raum.
Sie machen sichtbar, was häufig übersehen wird – und bieten eine strukturierte Grundlage, um Räume gezielt so zu gestalten, dass sie menschlich, gesund und sinnstiftend sind.
Jede Ebene steht für einen bestimmten Wirkungsbereich, z. B. Sinneswahrnehmung, Sicherheit, Beziehung oder Erholung. Zusammen ergeben sie ein ganzheitliches Modell – und eine wertvolle Orientierung für Planung, Gestaltung und Beratung.
1
2
3
5
6
7
4
8
Texte von Institut für Wohn- und Architekturpsychologie
Sensorik und Wahrnehmung
Alle Sinnesorgane des Menschen brauchen
das richtige Maß an Stimulation, um ihr volles
Potential zu entfalten. Die modern gestaltete
Umgebung sollte vielfältige Wahrnehmungsräume
bieten für Auge, Ohr bzw. alle Sinne.
Mit dem Wort Reizüberflutung kann jeder etwas anfangen: Ständige Überstimulation führt zu Nervosität, erhöhter Anspannung, gesteigerter Reizbarkeit und Aggression. Kaum jemand weiß, dass auch das Gegenteil, Reizarmut, und die daraus folgende sensorische Deprivation zu innerer Unruhe, Unbehagen, Schmerz- Überempfindlichkeit und depressiven Verstimmungen bis hin zu Angstzuständen führen kann.
Im Idealfall bietet das Wohnumfeld ausreichend Wahrnehmungsmöglichkeiten für unterschiedliche humane, aber auch veränderliche Bedürfnisse. Es sollte möglich sein, sich je nach Bedarf zurückzuziehen oder Kontakt zu finden.

Zu jedem Zeitpunkt nehmen unsere
Sinne Eindrücke der Umgebung wahr.
Diese Wahrnehmung beeinflusst
unsere Stimmung und unser gesamtes
Denken, Fühlen und Handeln.
Wohnhaus Oberhaching
1

Die Struktur, Gestaltung und Anordnung
der Innen- und Außenräume wirken elementar auf die zwischenmenschliche Interaktion. Räume sind gebaute Beziehungen.
2
Patentanwaltskanzlei München
Soziale
Beziehungen
Räume beeinflussen, wie zwischenmenschliche Interaktion, Kommunikation und Beziehungen im Alltag gelingen. Ungeeignet konzipierte Bauten können Konfliktpotenziale verstärken und Konfrontationen begünstigen – oft, ohne dass die Ursachen sofort erkennbar sind.
Wenn Raumstrukturen keine Rückzugszonen bieten, Begegnungen zu eng oder unfreiwillig stattfinden oder die Nutzung unklar ist, steigt die Wahrscheinlichkeit für Spannungen im Miteinander.
Gut gestaltete Räume fördern respektvolle Kommunikation, ermöglichen Distanz, wenn nötig, und Nähe, wenn gewünscht. Sie schaffen die Grundlage für ein soziales Gleichgewicht – und damit für stabile Beziehungen im räumlichen Kontext.
Schutz und
Kontrolle
Räume/ gebaute Strukturen bieten Schutz, Geborgenheit und die Möglichkeit, die eigene Intimsphäre zu wahren – im privaten wie im beruflichen Umfeld.
Ein klar strukturierter Grundriss, definierte Zonen und Rückzugsorte stärken das Sicherheitsempfinden und fördern Vertrauen sowie ein respektvolles Miteinander. Werden Privatsphäre und Kontrolle dauerhaft gestört – etwa durch ständige Störungen, fehlenden Sichtschutz oder unklare Raumzuweisungen – leidet das Wohlbefinden.
Das Verhalten verändert sich: Rückzug, Anspannung, Distanzierung oder sogar Ablehnung gegenüber dem Ort können die Folge sein. Durchdachte Raumkonzepte schaffen dagegen Schutzräume, erleichtern Orientierung und tragen wesentlich zur Zufriedenheit und Nutzungsqualität bei.
Ein Gefühl der Sicherheit im räumlichen Zusammenhang und eine gut geschützte, kontrollierbare Privat- und Intimsphäre sind essentiell für eine gelungene Innenraumgestaltung.

Ein Gefühl der Sicherheit im räumlichen
Zusammenhang und eine gut
geschützte und kontrollierbare Privat und
Intimsphäre sind essentiell für den
Wohnbau.
3
Büro Deutsche Fachpflege München

4
Ein Wohnumfeld, in dem die Bewohner
sich gerne und häufig aufhalten, nimmt
persönlichen Charakter an, wird als
erweiterter Wohnraum wahrgenommen
und ist ein gefühlter Mehrwert.
Wohnung Schwabing
Aneignung und
Personalisierung
Dem Gestaltungsbedürfnis des Menschen sollte ausreichend Raum zur Entfaltung gegeben werden.
Aneignung von Raum bedeutet im wohnpsychologischen Sinn: Schon das Sich-Aufhalten ist ein Einnehmen von Raum, Adaptieren und Personalisieren sind nachfolgende Schritte, die erlaubt und gefördert werden sollten. Ortsbindung und Ortsidentität entstehen durch verschiedene Stufen von Aneignung und Personalisierung seitens der Nutzerinnen und Nutzer – sei es im Wohnumfeld oder am Arbeitsplatz.
Es ist eine zentrale Aufgabe der Innenraumgestaltung, durch entsprechende räumliche Qualitäten ein Gefühl von Zugehörigkeit, Identifikation und „Zuhause-Sein“ zu ermöglichen – unabhängig vom Nutzungskontext.

Zum „Sich-Zuhause-Fühlen“ gehört die
Erholung, das „Abschalten-Können“
und „Sich-Fallen-Lassen“. Jeder
Raum samt Umfeld sollte das nach
besten Möglichkeiten leisten.
Erholung statt
Stressbelastung
Dass Ausruhen und Kräftesammeln zuhause stattfindet, wird in unserer Gesellschaft meist als selbstverständlich angenommen.
Die meisten Menschen sind tagsüber außer Haus. Wer jedoch viel Zeit in der Wohnumgebung verbringt, muss dort ausreichend Schutz, Rückzugsmöglichkeiten und zugleich passende Stimulation vorfinden. Viele Aspekte räumlicher Stressbelastung zeigen sich erst im Laufe der Zeit – manchmal erst nach Jahren. Die Zusammenhänge werden von den Betroffenen selbst oft nicht erkannt und meist unterschätzt.
Auch im beruflichen Umfeld ist Erholung entscheidend: kurze Phasen der Entspannung und Regeneration sollten möglich sein– etwa durch Ruhezonen, sensorische Entlastung oder visuelle Ausblicke. Nur so kann ein Gleichgewicht zwischen Leistung und Regeneration entstehen.
5
Homeoffice Wohnhaus
Oberhaching

Gelungen gestaltete Wohnumwelten
können körperliche Vitalität
unterstützen, emotionale und kognitive
Kreativität fördern und soziale sowie
persönliche Kompetenzen stärken.
6
Wohnhaus
Oberhaching
Entwicklung und Entfaltung
in allen Lebensphasen
Eine gut gestaltete Lebensumwelt unterstützt individuelle Entwicklung, Reifung und persönliche Entfaltung – in jedem Alter.
Kinder, ältere Menschen oder pflegende Angehörige sind oft besonders an ihre räumliche Umgebung gebunden. Fehlen Struktur, Anregung oder Rückzugsmöglichkeiten, entsteht leicht das Gefühl, fehl am Platz zu sein.
Räume müssen in der Lage sein, wechselnde Bedürfnisse mitzutragen – durch Flexibilität, klare Zonierung und sinnvolle Übergänge. So entsteht ein Umfeld, das Orientierung gibt, Teilhabe ermöglicht und Lebensqualität fördert – unabhängig von Lebensphase oder Lebensform.
Gesundheit und
Behaglichkeit
Wohnungen und Arbeitsräume wirken idealerweise gesunderhaltend und fördern das körperliche wie seelische Wohlbefinden.
Um sich wirklich behaglich zu fühlen, braucht es weit mehr als nur ein angenehmes Raumklima. Die grundlegenden Bedürfnisse nach Schutz und sensorischer Stimulation müssen erfüllt sein. Hinzu kommen Faktoren wie Licht und Sonne, natürliche Materialien, Pflanzen und Grünflächen, angenehme Wärmeübertragung, gute Luftqualität sowie eine ausgewogene Akustik.
Auch baubiologische und umweltmedizinische Aspekte spielen eine wichtige Rolle. Erst das Zusammenspiel dieser Elemente schafft ein Umfeld, das nachhaltig gesund und lebensfreundlich wirkt – im privaten wie im beruflichen Raum.

7
Räume können Heilungsprozesse
unterstützen, aber Wohnumwelten
können auch krank machen, wenn die
grundlegenden Bedürfnisse auf Dauer
zu stark beeinträchtigt werden.
Wohnhaus Ibiza

8
Jede räumliche Struktur fördert
bestimmte Verhaltensmuster. Jede
Gestaltung und Ausstattung animiert zu
bestimmten vorhersagbaren Umgangs und Nutzungsweisen.
Haus der Kunst
München
Raum und
Verhalten
Schon aus Entwurfs- und Planunterlagen lassen sich folgerichtig die wahrscheinlichen Verhaltensmuster der Bewohner vorhersagen.
Die psychologische Forschung hat gezeigt, dass sich menschliches Verhalten im Laufe der Zeit an die räumliche Gestaltung anpasst. Die Art, wie Innen- und Außenräume geplant sind, ruft bestimmte Verhaltensweisen hervor – oft, ohne dass sich die Nutzer dessen bewusst sind.
Die Aufgabe besteht darin, Räume so zu gestalten, dass wünschenswerte Verhaltensmuster wie Achtsamkeit, Sorgfalt oder Gemeinschaft gefördert werden. Gleichzeitig können destruktive Verhaltensweisen wie Gleichgültigkeit, Rücksichtslosigkeit oder Vandalismus durch eine durchdachte Gestaltung deutlich reduziert werden.